Dez 03

Womit schreibst Du?

Zugegebenermaßen… auch ich schreibe, wie wohl die meisten, heutezutage im überwiegenden Anteil der Fälle schnöde, technokratisch, mit der Tastatur… oft sinnentleert, rotierend, oftmals öfter auf der Löschen-Taste als tatsächlich am Schreiben… da wird windig schnell getippt, dann kurz gelesen, dann erst gründlich – oder weniger gründlich – nachgedacht, dann gelöscht, im Geiste (so denn noch Geist vorhanden) umformuliert, mit Worten jongliert… es wird neu begonnen zu tippen und am Ende beginnt das Spiel von vorn…

Auch bei dem, was ich hier überflüssigerweise an Ergüssen ins Netz tippe, sieht das Procedere höchst ähnlich aus… ich tippe, lese am Ende drüber, formuliere neu und/oder um, glätte Formulierungen, füge phantasievolle Adjektive ein…. was auch immer mir noch in den Sinn kommt… das getippte Wort ist angenehmerweise editierbar, doch genau das wir ihm auch zum fatalen Verhängnis, ist es doch veränderlich, unverbindlich, nicht zuverlässig…

Wie haben wir das eigentlich damals gemacht? Zu Schulzeiten, so hatte ich mich vor einiger Zeit erinnert, da schrieben wir richtig mit den eigenen Händen… Kugelschreiber waren verpönt, der Füllfederhalter, oder kurzdeutsch Füller, war in der Schule Pflicht. Löschen? Unmöglich! Geschrieben war geschrieben.

Genau deshalb wird der Füller wohl auch just nach der Schule von den meisten in eine Schublade verbannt, verdrängt, vergessen. Zu sehr weckt er die Erinnerung an die ach so kurz zurückliegende und ach so fürchterliche Zeit des Schulbank Drückens, der grausamen Schreibübungen, nervenzehrenden Aufsätze und vernichtenden Tests und Klassenarbeiten.

Nun, mittlerweile kann ich wohl sagen, bin ich mehr als einige Jahre von meiner langsam in der Vergangenheit verblassenden Schulzeit entfernt und bin vor einiger Zeit durch einen Zufall für recht kleines Geld eines recht wertigen Füllfederhalters habhaft geworden, den ich mittlerweile doch tatsächlich fast täglich nutze… und für eben jenes edle Schreibgerät möchte ich heute eine Lanze brechen.

Das Schreiben mit dem Füller hat doch, verglichen mit dem Kugelschreiber oder der Tastatur, einfach noch immer so etwas wie Kultur. Es hat einfach etwas erhabenes, auf einem Meeting oder einer Tagung eben nicht mit einem schnöden Kuli auf einem losen Notizblatt herumzukritzeln, sondern mit einem eleganten Füller in einem ordentlichen, vielleicht sogar ledergebundenen Notizblock seine Notizen zu machen.

Die Krönung aber ist es, mit einem guten, tintenbefüllten Füllfederhalter von gutem Schreibverhalten (da gibt es Unterschiede) auf hochwertigem Schreibpapier einen persönlichen Brief zu schreiben… die Feder gleitet nahezu ohne Druck über das Papier, die Tinte fließt einfach und versetzt auch das Schreiben selbst in einen Fluss. Die Handschrift ist automatisch ordentlicher als mit jedem Kugelschreiber, die eigene Schrift gibt dem Brief Charakter auch über das inhaltliche hinaus, eine Freude sowohl für den Schreibenden als auch für den Empfänger. Und auch ein Zeichen, dass das Schreiben noch immer eine kulturelle Errungenschaft unserer Gesellschaft ist.

Versuchts einfach mal wieder… geht doch mal in ein Schreibwarengeschäft, lasst Euch einen schönen Füller (nicht so einen Schulfüller für 12,95, gönnt Euch ruhig mal was :) ) zeigen und macht eine Probefahrt über ein Blatt Papier… Ihr werdet sehen… es macht süchtig…

Ach ja… last but not least… eine mit der Feder und Tinte geschriebene Unterschrift wirkt doch ganz anders, als eine aus dem Kugelschreiber gerollte… probierts mal aus…

lg

Marc

geschrieben von ramoth

Nov 08

…weil er mich behütet, und zwar von oben!

Bis vor ca. 50 Jahren galt ein Mann ohne Hut in der Öffentlichkeit als nicht richtig angezogen… es war quasi ungeschriebenes Gesetz, dass der männliche Anzug gefälligst am unteren Ende durch die Schuhe und am oberen Ende durch einen Hut begrenzt wurde.

Das machte es nicht nur unglaublich einfach, auf Anhieb zu erkennen, wo “Mann” oben und unten zu Ende war, sondern lieferte auch adäquaten Schutz vor Niederschlägen aller Art, wärmte recht angenehm und schützte weite Teile der männlichen Weltbevölkerung vor der Auseinandersetzung mit Kreativität in der Haarmode.

In den letzten 50 Jahren nun, wurde der Hut zum “Alten Hut” und wich moderneren Kopfbedeckungen, formschöne Woll- und Pudelmützen entwickelten sich bis zum heutigen Tage zu universell einsetzbaren Fleece-Kopfstrümpfen, und im Sommer, zwecks Beschattung, muss heute das ach so schöne Baseballcappy herhalten, sowohl Mütze als auch Cappy sind ja nun auch ausnehmend schöne Kleidungsstücke…

Was soll ich sagen, ich bin auf den Hut gekommen… den Anfang machten 2-3 billige Hutähnliche Objekte von H&M, schon ganz nett, aber noch nicht so richtig… und jetzt… vergangene Woche habe ich mir ein Herz gefasst und mir einen Stetson bestellt -ein Bildchen folgt bald- und bin begeistert. Komfortabler als jede Mütze wärmt der Hut, den ich bislang für ein rein modisches Accessoire gehalten habe, doch erstaunlich gut den Kopf.

Die Krempe – Hüte haben eine umlaufende Krempe, nicht nur einen Schirm wie Cappys – hält Regentropfen fern von meinem Nacken und – ein unschlagbares Argument für Brillenträger – ebenso von eben jener, meiner Brille. Obendrein macht der Hut, zumindest meiner Meinung nach, wesentlich mehr her, als jede Mütze etc.

Einzig seltsam… wie gesagt, noch vor 50 Jahren galt ein Mann als nicht richtig angezogen, wenn er ohne Hut das Haus verliess… wenn man heute als Mittdreissiger Hut trägt, wird man hingegen von den Leuten teils angeschaut, als trüge man ein totes Tier auf dem Kopf… Senioren dürfen das, und Jugendliche komischerweise auch – solangs eben diese hutähnlichen Objekte von H&M & Co sind, aber wehe ein Mittdreissiger trägt einen richtigen Hut… das irritiert…

Ich kann nur sagen: probierts mal selbst! Meinem Hut werden auf jeden Fall weitere folgen…

Gut Hut!

Marc

Und hier noch ein Spiegel-TV Beitrag zum Thema Hut:

geschrieben von ramoth