Blockupy 2013

DSC_0553Das Thema kursiert ja nun heute, also geb ich auch kurz meinen Senf dazu. Nun möchte ich mich garnicht über die eigentlichen Ereignisse gestern und heute auslassen, das können andere erheblich besser als ich und aus erster Hand.

Was ich kann ist, das zu beurteilen und zu bewerten, was ich in Socialnetworks und Medien so lese und sehe. Und das gefällt mich nicht.

Gefühlt noch vor wenigen Monaten habe ich, angesichts der Bilder aus den USA beim Thema Occupy, Bildern von Barrikaden auf der Wallstreet, Bildern von Pefferspray versprühenden und mit Schlagstöcken um sich knüppelnden Beamten, über die amerikanische Kultur gewettert, habe sprachlos vor den Nachrichten und den Internetquellen gesessen und gesagt

„Was bin ich froh, dass es hier so nicht zugeht. SOWAS, kann hier nicht passieren.“

Klar, es gibt auch hier Bilder von Zusammenstössen, aber bis vor nicht allzu langer Zeit waren das Bilder, in denen deutlich wurde, dass eine echte Gefahr von Demonstrierenden, die klar als Randalierer erkennbar waren, ausging. Gerne Nachts, gerne vermummte Randalierer die Brandsätze warfen.

Dann kam Stuttgart 21 und jener unsägliche Polizeieinsatz, bei dem unter anderem Schul-„Kinder“ von Beamten fortgeschleppt wurden, der aber sowohl medial als auch rechtlich als auch personell ja ein deutliches Nachspiel hatte. Heute nun also Blockupy.

Was mir Sorge macht an den Bildern und Nachrichten, die man dort sieht, sind drei Dinge.

Zum einen die ausser Kraft Setzung von Recht durch unsere Behörden. Da werden ja scheinbar Menschen, die sich als Abgeordnete des Bundes ausweisen, abgefertigt und von der Polizei in die Schranken gewiesen. Klar, es ist eine Stresssituation, aber ein vom Bundestagspräsidenten unterschriebener Ausweis sollte den Damen und Herren in Uniform doch zumindest eine Prüfung abnötigen. Aber gut, das ist ein Punkt, den ich „im Eifer des Gefechts“ sogar verstehen kann.

Der zweite Punkt, und der wiegt schwerer, ist der, dass hier international ein Bild von Deutschland abgegeben wird, das wir so doch hoffentlich eigentlich nicht haben wollen. Um die Welt gehen Bilder von martialisch uniformierten, unter Kampfhelmen verborgenen Beamten, die sich jungen Menschen mit bunten Schals und Transparenten entgegenstellen, aus Spraydosen Flüssigkeiten in die Gesichter der Demonstranten sprühen, Schlagstöcke benutzen. Gerne Bilder, die mehr Beamte als Demonstranten zeigen. Bilder, die zum Teil eine fatal diktatorische Ausstrahlung haben. Dieses Bild möchte ich als Kind dieses Landes nicht in den Köpfen der Welt wissen.

Der dritte Punkt aber ist der Gefährlichste für uns alle. Die Schere im Kopf. Ein Blick auf die Fotos und in die Videos des Tages zeigt, dass wir hier keinesfalls eine Demonstration von Extremisten haben, sondern viel mehr einen bunten Schnitt durch die Bevölkerung. Alt, jung, alternativ, mainstream, alles scheint vertreten (nur Anzugträger waren erstaunlich wenige dabei).

Offenkundig wird, dass sich hier eine relevante Menge bunt gemischter Menschen findet, die, allergrößtenteils friedfertig, Kritik an den heutigen Systemen von Politik und Wirtschaft üben wollen und können. Hierfür gibt es in Deutschland, auch in der geplanten Form, einen durchs Grundgesetz gegebenen Rechtsanspruch.

Bilder wie die heute gezeigten aber, lassen die, die sich bemerkbar machen wollen, zurückschrecken. Die Extremen, die Randalierer, werden sich von den Bildern nicht abschrecken lassen, während der „Normalo“, der hier nur friedlich seine Meinung kundtun will, sich damit konfrontiert sieht, auf so einer Veranstaltung womöglich in den Sog solcher wie der gezeigten Ereignisse gezogen zu werden.

MENSCHEN KRIEGEN ANGST, ÖFFENTLICH IHRE MEINUNG KUNDZUTUN!

Wo aber Menschen Angst haben, Ihre Meinung kundzutun, wo sich niemand öffentlich empört, da gedeiht Unrecht.

Das ist das Kernproblem der Bilder und Berichte des heutigen Tages. Das psychologische Aushebeln eines Grundrechts, wie wir es momentan immer wieder vorfinden. Im Netz erleben wir, wie unbedachte Äußerungen Polizeirazzien in Privathäusern und Presseredaktionen auslösen, bei S21 und Blockupy erleben wir den physischen Gegenschlag.

Dazu trägt leider auch bei, dass die betroffenen Teilnehmer der Demonstration und ihre Sympathisanten sich momentan so ausgiebig auf die polizeilichen Übergriffe stürzen, dass der Erfolg durch die Größe der Veranstaltung und die guten Aktionen hier in den Hintergund tritt und nur das negative bei den Lesern und Verfolgern der Aktion hängen bleibt.

Hier muss natürlich aufgeklärt werden, aber vergesst darüber bitte nicht, dass heute etwas großes auf die Beine gestellt wurde, dass viele Menschen mobilisiert wurden, um ein Zeichen zu setzen. Macht ihnen Mut, keine Angst!

Was nützt uns das Recht auf Meinungsfreiheit noch, wenn die Masse der Bevölkerung Angst hat, ihre Meinung zu äußern?

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Ein Gedanke zu „Blockupy 2013

  1. Bilder setzen sich tiefer und schneller in den Köpfen der Menschen fest, Bilder lösen Gefühle und Emotionen aus, mehr als jedes geschriebene Wort.
    Wer die Auswahl der Bilder hat, kann maßgeblich Einfluss nehmen.
    Sicher nicht ungewollt.

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