Die Welle rollt…

DSC_0414Die Telekom versucht, das Thema kleinzureden, aber im Netz geht die Welle weiter und kämpft sich nach und nach in die Mainstreammedien vor. Telekomsprecher Blank begibt sich in verschiedenste Widersprüche und offenbart immer mehr seiner Wortblasen als ebensolche.

Das zeugt nicht nur von der Haltung der Telekom gegenüber ihren Kunden, die sie für eine Art dummer Schafe zu halten scheint, sondern es zeugt ebenso von dem Effekt, den bisherige Shitstorms im Netz hatten und immer noch haben. Es ist gemeinhin bekannt, dass diese ebenso schnell versiegen, wie sie sich aufwiegeln.

BEWEISEN WIR IHNEN DAS GEGENTEIL!

Hier und heute eine kleine Sammlung von Drosselkom-Aussagen und die dazugehörige Kommentierung und Beantwortung, die wir dem entgegenschleudern sollten.

Beginnen wir doch mit einer der bekannteren Ansagen von Herrn Blank…

Blank: “Na ja, dass eine Preiserhöhung – und sei sie noch für so eine kleine Kundengruppe wie in unserem Fall – nicht besonders gut ankommt, hat uns nicht wirklich überrascht. Zudem befinden wir uns natürlich im Vorwahlkampf, in dem Politiker dankbar jedes Thema aufgreifen. Ich denke, für richtige Entscheidungen sollte man schon einige Tage Medienaufregung aushalten können.”

Wie genau Blank prognostizieren kann, dass die limitierten 75GB eines „normalen“ DSL Anschlusses im Jahr 2016 nur eine „kleine Zielgruppe“ treffen, ist mehr als fraglich.

Woanders dann eine erstaunlich klare Aussage von Blank:

Die Telekom sehe keine andere Chance, den Preisverfall und den damit verbundenen Umsatzrückgang zu stoppen.

DARUM, und um nichts anderes, geht es, wenn man alle technischen Begründungen der Telekom durchleuchtet und für nichtig befunden hat.

Dann noch das mittlerweile berühmte „Lieschen Müller“ Zitat. Der kleine Normalnutzer würde also den Vielnutzer subventionieren.

Dazu sage ich zwei Dinge:

1. Ohne die Vielnutzer, die die Entwicklung im Internet auf Trab halten und dafür sorgen, dass der Netzausbau stetig weitergehen muss, hätte wohl auch Lieschen Müller nicht die gut gewartete, Bandbreitenstarke Leitung. Der Wenignutzer profitiert sogar von der im Moment seines Bedarfs bereitstehenden, bandbreitenstarken Leitung. Ach halt… für Lieschen Müller, die üblicherweise irgendwo auf dem Dorf wohnt, wenn man der Beschreibung Blanks ein wenig Phantasie hinzufügt, stellt die Telekom ja eh keine Anschlüsse bereit, die einen ausgleich möglich machen würden…

Und damit landen wir auch schon bei:

2. Wenn die Telekom diese Ungerechtigkeit abschaffen wollte, müsste sie nur wieder nach vernünftigen Bandbreiten gestaffelte Tarife anbieten. 16000er und mehr für die so genannten „Vielnutzer“, 1000er oder 3000er für die, denen Surfen und Emailen reicht und die auf größere Downloads verzichten können. Stattdessen verkauft die Telekom nun schon seit längerem nur noch ‚bis zu‘ 16000er Verträge, selbst dann, wenn effektiv nur 3000er Leistung beim Endbenutzer ankommt. WER GENAU FORCIERT HIER ALSO IRGENDWELCHE QUERSUBVENTIONEN???

Blank aber stellt fest, dass

kein anderer Provider so viel in die Netze investiere wie die Telekom.

Aha. Wo bleiben denn diese Investitionen? Im Moment, so scheints, in einer Hand voll Prestigeprojekte, um Haushalte mit der für heutige Verhältnisse völlig albernen Bandbreite von 200Mbit/s zu versorgen (https://www.telekom.de).

Zum Nachdenken: 200Mbit/s bedeuten, dass ich einen HD oder 3D Film (5 – 8 GB) in ca. 5 Minuten geladen habe! Ein 4k Film wäre bei angenommenen 100GB größe in ca. 1 Stunde durch die Leitung. Hier liegt auch schon ein weiterer Trick, am Rande gesagt. Ein 4k Film dürfte in jedem Fall mit >100GB zu Buche schlagen. Ergo lässt sich mit standard DSL dann in höchster cineastischer Qualität nicht mal mehr ein einziger Film komplett herunterladen ohne Zusatzvolumen zu erwerben!!!

Und da 4K in den Startlöchern steht, in Japan bereits gut angenommen wird und spätestens mit der neuen Playstation auch zumindest durch ein potentielles Abspielgerät in Deutschen Wohnzimmern Einzug halten wird, dürfte es nicht lange hin sein, bis 4K wirklich Relevanz gewinnt. Wir erinnern uns: Auch für die BluRay gab eine Playstation den Startschuss. Mit Erfolg.

Mit anderen Worten: 200Mbit/s bedeuten für „normale“ Verhältnisse heutiger Zeit eine massive Überkapazität. Ich kann HD Material ca. 20 mal so schnell runterladen, wie ich es angucken kann… wofür? Auf der anderen Seite bedeutet die Datendrossel schon in wenigen Jahren, dass ein einzelner Film das Limit sprengt. Toller Plan! Lieschen Müller wird sich freuen.

Die tollste Aussage aber von Blank ist dann doch

Die Netzneutralität besage laut Blank nicht, dass dies kostenlos stattfinden müsse.

Was bitte soll denn das heißen? NEUTRAL ist doch ein einfaches Wort?!? Was ist daran falsch zu verstehen? Wenn ich NEUTRALITÄT bezahlen muss, ist es eben nicht NEUTRAL. Dann ist es nämlich PRO oder CONTRA und das in Abhängigkeit von der Bezahlung. Es ist DAS GEGENTEIL von NEUTRAL. Ich weiß wirklich nicht, für wie DOOF Herr Blank die Bevölkerung unseres Landes hält.

Auch René Obermann, seines Zeichens Häuptling bei der Telekom, fabuliert von 97% nicht-betroffener. Will er ernsthaft behaupten, er wisse nicht um das Datenaufkommen eines 4k Films? Will er ernsthaft behaupten er ahne nicht, dass schon in 3 Jahren ein sehr realistischer Bedarf nach solchem Material und entsprechdem Volumen da wäre?

Obermann wörtlich laut Presseberichten:

Von Kritikern würden…

„Begriffe wie Netzneutralität und Sicherstellung von Wettbewerb dahingehend missbraucht, einen Flatrate-Anspruch auf unbegrenztes Datenvolumen im Internet zu zementieren“

Er hats also auch nicht begriffen. NOCHMAL ZUM MITBUCHSTABIEREN:

Wenn die Telekom sich mit Volumentarifen aus dem Markt katapultieren möchte, soll sie das tun, wenn sie aber den Volumentarifen ihre eigenen Inhalte auskoppelt, dann ist das eine Schweinerei sondergleichen für den Wettbewerb, die freie Wahl des Netzpartizipanten und den Deutschen Mittelstand im Internetgeschäft, dem so Kunden ausgesperrt werden. Wenn Sie darüber hinaus die Geschwindigkeiten so runterdrosselt, dass das Abrufen einer normalen Internetseite 10-30 Sekunden dauert, dann ist das Internet kaputt für die Kunden der Telekom. Da es noch immer genug Menschen gibt, für die die Telekom der einzig ernstzunehmende Anbieter ist, da die Telekom ein teilstaatliches Unternehmen mit Versorgungsauftrag ist, ist dieses Vorgehen absolut inakzeptabel!!!

Wobei ich heute von Obermann neues lernen durfte, wurde doch verlautbart dass:

Telekomeigene Internetdienste wie Videoload oder die Telekom-Cloud durchaus auf die Datenmenge angerechnet würden

Entertain allerdings sei eher ein TV- und Mediendienst und nicht dem Internet zuzurechnen, also ausgenommen. Wenn das so ist, mildert das das Problem der Netzneutralität ab, verschlimmert dafür aber noch den Ärger für die Kunden, die in 3-4 Jahren aufwachen, wenn die Drossel greifen soll(te). Das Problem, dass hier mittelständische Unternehmen schon in wenigen Jahren den Zugang zu Kundenpotential verlieren, bleibt ebenso bestehen, wird eher schlimmer, weil für Telekomkunden unter diesen Vorzeichen die Drossel noch früher greift als bisher angenommen.

Bleibt auch abzuwarten, ob die Telekom nicht noch irgendwelche Querfinanzierungen einbaut und zumindest auf dem Papier Priorisierungsgebühren von Videoload zu T-Kom schiebt, was natürlich auch allen anderen Anbietern angeboten wird…. mit dem Unterschied, dass es bei Videoload eben Gruppenintern bleibt und somit andere Spiele mit dem Preis für den Endkunden erlaubt…

Allen, die sich unter 384kbit/s nicht viel vorstellen können sei hier ein kleines Programm namens „Charles“ ans Herz gelegt. Eigentlich ein Netzanalysetool ist dieses Programm in der Lage, diese Bandbreite zu simulieren. Da kann man dann schonmal üben wie es sich anfühlt, wenn der Aufbau einer normalen Webseite nicht mehr klick&da geht sondern man während der Ladezeit mal eben sein Abitur nachmachen kann.

Gunnar Sohn bringt in seinem Blog weitere interessante Zusammenfassungen und verlinkungen. Auf g+ formiert sich langsam ein harter Kern, der entschlossen ist, das Thema auch über die übliche Halbwertszeit von SocialNetwortShitstorms aufrecht zu erhalten. Jetzt braucht es Netzpersönlichkeiten, die sich in die erste Reihe stellen und das Thema in Politik, Ausschüsse, zur Bundesnetzagentur und in die Mainstreammedien befördern. Das sind die nächsten Ziele und daran arbeiten wir.

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