Rückwände

Aus gegebenem Anlass….

Welches Teil an einem Kleiderschrank ist – rein von der Statik her – wohl das wichtigste?

Die Seitenwände? Naja… die sind ja ganz nett, aber letztlich stehen sie doch ziemlich wacklig da… auch in Verbindung mit Boden- und Oberteil will ein solches Möbelstück doch keinen Rechten Halt haben…

Schon in der Schule lernen wir: Wenn etwas stabil sein soll, in sich unbeweglich, dann sollte es dreieckige Strukturen haben… Baugerüste erhalten zu diesem Zweck Diagonalstreben, einfache Holzregale ebenfalls, wie ist das bei einem Kleiderschrank?!? Da habe ich bisher nur in den seltensten Fällen Diagonalstreben gesehen… wo also verbergen sich die dreieckigen Strukturen in einem solchen Teil???

Kurz gegrübelt… RICHTIG!! die Rückwand… die gibt dem Schrank Steifigkeit… ersetzt quasi die Verstrebung, das funktioniert ganz gut, weil eine flächige Rückwand ja auch durchgehende diagonale Verbindungen von Ecke zu Ecke schafft…

Blöd nur, dass es so eine Frickelei ist, diese Rückwände auch anzubringen… die Drahtstift, die dafür in der Regel verwendet werden müssen – zumindest wenn wir von einem allseits bekannten schwedischen Möbelhaus ausgehen – sind ja eher filigran und die zum Einschlagen eben jener geeigneten Bereiche eher schmal… da schlägt schnell mal ein solcher Drahtstift durch und blickt hässlich aus der Innenwand des edlen Möbels heraus…

Abhilfe schafft man sich da gerne durch…. Faulheit…

Ich habe doch tatsächlich schon Exemplare dieser Möbelgattung erblickt, welchen der Bauherr sage und schreibe 12 Drahtstifte in der Rückwand spendiert hat… rechts und links jeweils „oben mitte unten“, oben und unten jeweils „rechts mitte links“, bei besonders schmalen oder flachen Möbelstücken wird „mitte“ auch gerne mal ausgelassen… ist ja auch anstrengend, die empfohlenen 30-40 Mininägel zielgenau in der Rückwand zu platzieren…

Schade nur, wenn der Schrank dann doch wider Erwarten mal verrückt werden muss – im Sinne von „verschoben“, nicht „geistesgestört“ – ein solche eklatanter Mangel an Rückhalt – der durch den Mangel an Drahtstiften erfahrungsgemäß hervorgerufen wird – führt dann gerne mal zum totalen Verlust der – um es mit den Worten von Gene Roddenberry auszudrücken – strukturellen Integrität… das Möbelstück geht seiner Rückwand verlustig und klappt im wahrsten Sinne des Wortes in sich zusammen… in der Regel einhergehend mit grundsätzlichen Beschädigungen des Materials, die einen reibungslosen Wiederaufbau mehr oder weniger unmöglich gestalten.

Mein Appell an alle: Habt ein Herz für Rückwände, kümmert Euch um Rückwände, nagelt Rückwände adäquat und oft genug…

By the Way: Meine schwedischen Freunde packen neuerdings sogar eine „Nagelhilfe“ (nicht Viagra, nein!) zum Zubehör solcher Möbelstücke dazu… eine geniale kleine Vorrichtung, in die ein Nagel eingeklickt werden und dann mit Hilfe eines kleinen Anschlags in richtiger Position eingeschlagen werden kann… möchte mal wissen, was derjenige, der das erfunden hat, im Gegenzug dafür erhalten hat…

Falls jetzt jemand glaubt, dass ich langsam am Schwedenfieber leide…. jupp… dem kann ich nix entgegensetzen… das zweite Kind steht in wenigen Wochen an und wir sind langsam im Umbauwahn angekommen… final Nestbauphase sozusagen. Wöchentlich sorgt meine Gattin für Nachschub in Sachen Schwedenmöbel – dem ich mich dann, ganz der fürsorgliche Papa, annehmen darf….

lg

Marc

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