Onkel Wulff and the point of no return…

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Manch einer mag sich fragen, warum der ehrenwerte Herr Wulff nicht endlich die Zeichen der Zeit richtig deutet, und sich auf zu neuen Ufern macht… der Schaden am Amt sei schon so groß, sagen sie, der Ruf schon ruiniert, die Zeit, den Platz im Leihschloß freizumachen längst gekommen…

Auch ich, im Besonderen ich, kann mich nicht davon frei machen… seit Wochen schon ist mein präferierter morgentlicher Gruß im Büro „Ist Wulff eigentlich noch im Amt?“, zum running Gag geworden. Seit Wochen schon diskutiere ich das Thema unter der Prämisse, daß unabhängig von Schuld oder Unschuld, unabhängig von Belangbarkeit oder verfassungrechtlicher Relevanz, Herr Wulff eindrucksvoll bewiesen hat, daß er der Aufgabe allein menschlich nicht gewachsen ist…und das weniger der Vorwürfe als dafür umso mehr seines Umgangs mit eben jenen wegen.

Doch heute muß ich zugeben, hat Wulff kaum mehr eine andere Wahl, als es auszusitzen… zum Wohle oder zum Unwohle, der Point of no Return ist erreicht… Warum, fragt Ihr? Diese Frage ist wohl mittlerweile zur philosophischen mutiert…

Nun… spielen wir die möglichen Szenarien doch einmal durch…

Beginnen wir mit den möglichen Optionen, sollte Wulff „schuldig“ sein, womöglich am Ende sogar verfassungsrechtlich belangt werden:

Variante 1: Er bleibt im Amt, bis er enthoben wird.
Es bleibt immer noch die Chance, dass das Thema im Sand verläuft, falls dem so ist: Sieger Wulff. Falls nicht… Was hat er verloren?
Variante 2: Er tritt vorher zurück. Effekt: Die Macht der Medien ist bewiesen, sie können einen BP in den Rücktritt zwingen. Der Rücktritt wäre zeitgleich als Schuldeingeständnis wahrgenommen, das nur noch durch eine Anklage mit Freispruch bzw. Klärung zu Wulffs Gunsten relativiert werden könnte… aber da wir im Moment den Fall der Schuldigkeit Wulffs durchspielen, wäre das unwahrscheinlich. Rücktritt wäre also in jedem Fall auch der Niedergang Wulffs als Person.
FAZIT: Sollte Wulff keine reine Weste haben, ist Festhalten am Amt und hoffen auf ein Ende des so genannten Trommelfeuers die einzige Option.

Option 2 wäre dann das Durchspielen der Situation, unter der Prämisse, daß Wulff „unschuldig“ sei… Hier ists sogar noch klarer, wäre doch der Rücktritt Wulffs der Beweis, daß auch durch haltlose Vorwürfe die Presse einen BP stürzen kann, was in jedem Fall untragbar wäre. Obendrein wäre in diesem Fall das Risiko für Wulff gewaltig, falls es nach einem Rücktritt nicht mehr zur Aufarbeitung der Vorwürfe kommt und eben diese Vorwürfe ewig als Abstraktum über ihm schwebten. Im Gegenzug wäre mit jedem Tag, den er durchhält, die Chance größer, daß er irgendwann entlastet würde.

Was also tun? Die, die ihm den Rücktritt nahe legen, übersehen zwei Dinge, zum einen die Tatsache, daß zum jetzigen Zeitpunkt, zu dem zwar Wulffs menschliche Uneignung auf Basis seiner Haltung der letzten Wochen und seines Umgangs mit der Krise, bewiesen sein dürfte, ein Rücktritt für ihn persönlich in jedem Fall, selbst sollte die Alternative in Amtsenthebung und verfassungsrechtlicher Verurteilung bestehen, nachteiliger wäre als ein Aussitzen bis zum notfalls bitteren Ende, zum Anderen aber, und das wiegt noch schwerer, daß ein Rücktritt VOR einer möglichen Amtsenthebung in bedrohlicher Weise aufzeigen würde, wie die Medien auf Basis von – wenn auch recht handfesten – Indizien, einen Bundespräsidenten mal eben absägen können… und das würde, wie ein Damoklesschwert, über jedem folgenden BP schweben, das Amt quasi unausführbar machen…

So gesehen muß ich zum jetzigen Zeitpunkt sagen, daß wohl oder übel, und so unwohl ich mich dabei fühle, Wulff wohl weiter machen muß, wie gehabt… Zumindest so lange, bis manche Sachlage geklärt und die Vorwürfe entweder entkräftet oder aber handfest sind…. Nun denn… So lange es andauert bleibt wenigstens das Talkprogramm der öffentlich rechtlichen interessant….

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