Politiker im Social Network III – Der Angie Hangout

Ich bin war überwältigt.

Die Kanzlerin, Angie herself, beschreitet neue Wege der interaktiven Kommunikation! Google+ Hangout mit der Kanzlerin! Geil! Unsere Bundeskanzlerin möchte in einem Hangout mit uns, den geneigten Nutzern, in echte Interaktion treten!

Aber halt. Nochmal die Ankündigung geschaut, was sagt sie da in ihrer unnachahmlich euphorisierenden Art?

„Sie sollen aber nicht nur zuhören können, sondern ihre Fragen auch, im Vorfeld, auf der Webseite xxxx stellen können.“

Im Vorfeld, auf Webseite xxx? Verstehe ich das jetzt richtig? Aaaaaahhhh…. jetzt kommts bei mir an, Interaktion ist garnicht der Plan! Angie hat gewittert, dass man hier kostenlos eine TV-Übertragung durchs Netz pusten kann. Und das noch bei erhöhter Aufmerksamkeit des Zuschauers, geschieht das ganze doch in einem Umfeld, das üblicherweise Interaktion erlaubt….

Es bleibt also dabei, die Politik verwehrt sich weiterhin der Erkenntnis, dass das Internet, speziell das soziale, Interaktion erlaubt, ja vorschreibt. Angie will sich also Fragen zuschicken lassen und ihre Antworten dann im Simplexverfahren via Hangout streamen.

Mit der rechtlichen Lage dazu (wir begeben uns aus dem Bereich der Kommunikation eindeutig in den Bereich des Broadcastens, des Rundfunks, oder, wie es Gunnar Sohn so schön schreibt: Ein linearer Informationsdienst, der für die Allgemeinheit und zum zeitgleichen Empfang bestimmt ist und die Veranstaltung und Verbreitung von Angeboten in Bewegtbild oder Ton entlang eines Sendeplans unter Benutzung elektromagnetischer Schwingungen zum Inhalt hat) hat Gunnar Sohn sich in folgendem Post auseinandergesetzt, darauf möchte ich garnicht eingehen (nur so viel, wenn ich das richtig verstehe, ist diese Art der Ausstrahlung quasi illegal). Link zum Post von Gunnar Sohn

Was mich viel mehr stört als das, ist die Ignoranz die dahinter steht und die Folgen, die daraus resultieren. Am Rande gesagt rechne ich Frau Merkel das schon recht hoch an, dass sie sich überhaupt den „neuen Medien“ widmet.

Aber zum Punkt: Welcher Eindruck entsteht nun durch solche Aktionen oder durch Videoblogs oder durch das Simplex-Nutzen von Social Media bei unseren Politikern? Sie halten diese Medien für etwas völlig anderes als für das, was sie sind! Unsere Politiker, das ist erkennbar in derlei Aktionen und schlägt sich nieder in Äußerungen über das Netz ebenso wie in Gesetzbegungen, halten das Netz nicht für ein Kommunikationsmittel sondern für ein Broadcastmedium, und das macht ihnen Angst.

Klar, unkontrollierte Breitbandübertragungen an Millionen von Empfängern, das sind massiv wirksame Volksmanipulationsmaschinen, wenn man es mit den Augen der Politik sieht. Klar, der Videoblog der Kanzlerin wird sich eines gewissen Zulaufs ebenso erfreuen, wie dieser Hangout vielbeachtet sein wird. Die Kanzlerin wird lernen: Das Internet funktioniert wie Fernsehen. Das wirft nach der Erkenntnis „aber da kann ja jeder senden“ automatisch die nächste Frage auf „wer reguliert das und wie?“.

Dass der Otto-Normal „Broadcaster“ im Internet nur dann eine Chance hat, wenn er intensiv mit seinen Lesern, Zuschauern, Zuhörern etc. in Interaktion tritt und kommuniziert, das merkt Merkel sicher nicht. Dass diese Interaktion und Kommunikation gleichzeitig die Reichweite bindet, weil ich nunmal nur mit einer begrenzten Anzahl an Leuten wirklich interagieren kann, eben nicht unbegrenzt broadcaste, das merkt Merkel nicht.

Es ensteht also ein vollkommen falsches Bild, ein selbstgemachtes falsches Bild gestützt vom Interesse derer, die sich das Anschauen, die sich diese Simplexkommunikation gefallen lassen, bei den Entscheidungsträgern unserer Politik. Und aus diesem falschen Bild entsteht bei eben diesen Protagonisten unserer gesellschaftlich rechtsstaatlichen Entwicklung ein Bedürfnis, etwas zu regulieren, was es in dieser Form, die hier gesehen wird, überhaupt nicht gibt.

Aus eben diesem Grunde sollten wir als Nutzer dieses Netzes, als „Kommunizierer“ und „Interagierer“ diese Simplexbroadcasts aus der politischen Landschaft, die das Social Network zum Klick-TV pervertieren und sich dann an vielen Klicks und Kommentaren, die ungehört verhallen und nur als Zahl ihrer Summe wahrgenommen werden, ergötzen, mit Missachtung strafen.

Kein Klick, kein Kommentar, kein Download für politische Akteure, die das Netz als Simplexmedium begreifen, dafür Resonanz für diejenigen, die sich wirklich einbringen, die etwas zu sagen haben und Reaktion zeigen. So können wir Sorge tragen, dass das Netz als das verstanden wird, was es ist, als Kommunikationsplattform, als Möglichkeit, anzuregen und Anregungen zu erhalten.

Das würde ich mir wünschen.

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