Die Huff kommt nach Deutschland…

Zeichnung-3Nu isses also doch so weit. Die Spekulationen liefen ja schon lange, aber bislang verlief es sich immer irgendwie. Nun ist sie gestartet, die Deutschlandausgabe der Huffington Post.

In den Staaten erfreut sich die Huffington Post großer Leserschaft und Beliebtheit, ob sich das Konzept nach Deutschland übertragen lässt, weiß ich nicht, wenn jedoch, so gewiss mit Kollateralschäden.

Kollateralschäden? Wie jetzt?

Nunja, das Konzept der Huffington Post ist es doch im Prinzip, wenn ich das richtig verstehe, verschiedensten Bloggern oder Möchtegernbloggern aus halbprominenten Kreisen eine betreute Plattform zu bieten, um „Nachrichten“ zu verarbeiten, gerne versehen mit dem Einschlag eigener Meinungen.

So weit, so gut. Im Prinzip handelt es sich also um so eine Art redaktionell betreuten Nachrichtensocialnetworks. Den Lesern in den Staaten mag das wohl gefallen, ist das Land doch eh geprägt von einer Debattierkultur, die uns hier eher fremd ist. Die Sachliche Auseinandersetzung mit Themen rückt in den Staaten gerne hinter wortreichen Debatten in den Hintergrund und genau das macht die Huff für den Amerikaner an sich wohl so schön griffig, muss er sich doch nicht mit Inhalten auseinandersetzen, sondern bekommt auf direktem Weg eine Meinung präsentiert. Nun liest er sich also eine Hand voll Meinungen und Argumente durch,  überlegt, was ihm davon am schlüssigsten klingt und legt sich so fest.  Das funktioniert sogar in vielen Bereichen sehr gut.

Dem Deutschen an sich ist diese Art der Nachrichtenverarbeitung aber eher fremd. Die Deutsche Mentalität hat uns trainiert, das Denken nicht „den anderen“ zu überlassen, so hat sich hier eine Medienlandschaft herausgebildet, die sich weniger der „Verarbeitung“ von Nachrichten widmet, wie es in vielen anderen Ländern der Fall ist, sondern viel mehr der so genannten „sachlichen Berichterstattung“ verpflichtet sieht. Sicher wird das eine oder andere ausgelassen und heutezutage schleicht sich mehr und mehr Neusprech in die Deutsche Medienlandschaft ein, dennoch können wir wohl lange suchen, ehe wir Nachrichtenformate ähnlicher Sachlichkeit finden, wie in Deutschen Zeitungen und Nachrichtenkanälen.

Und genau da liegt auch das „Problem“ mit der Huff. Entweder, das Format versagt kläglich, weil der Deutsche Leser die Art und Weise der Berichterstattung einfach nicht annimmt, oder aber, und das bereitet mir eine gewisse Angst, das Format wird angenommen und eine Adaption des oben beschriebenen Meinungsbildungsverhaltens ohne Selberdenken, basierend einzig auf Meinungen und Argumenten fest positionierter Berichterstatter, greift weiter um sich.

Mit Gerhard Schröder hatten wir einen Kanzler, der es geschafft hat, Politik nahezu komplett von Inhalten zu lösen und Wahlergebnisse einzig auf die Erklärung „der war den Menschen wohl sympathischer“ zu reduzieren, die Huff hat das Zeug dazu, die Medienlandschaft in eine Richtung zu nötigen, in der sie nicht mehr Berichterstatter, sondern Meinungslieferant wird.

Bleibt zu hoffen, dass der Meinungen wenigstens genug zur Auswahl stehen, so dass im Schnitt was gutes dabei rauskäme…

NACHTRAG:

Lese gerade, dass Voraussetzung für das Kommentieren der Artikel dort ein Facebook Account ist. Und nicht irgend einer nein, es muss ein verifizierter sein! Damit ist Huff für mich ziemlich gestorben, ich muss nun wirklich nicht haben, dass fb noch weiß, was ich wo wie kommentiere. Hinzu kommt eine nach erstem Review doch starke Verzahnung mit dem Focus, ansonsten ist es mehr eine Linksammlung zu DPA oder anderen Newsportalen, die ich schneller und besser selber lesen kann.

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