So viel verbrauch ich eh nicht… lass sie mal machen

Die Telekom bastelt sich Volumenbasierte Drosseln für Ihre „Flatrates“. Okay, so weit so schlecht.

Wirklich panne aber finde ich manche Argumente, die ich dazu so höre.

Das schlimme ist doch, dass mit der Netzpolitik der T-Com über die letzten 10-15 Jahre tatsächlich Abhängigkeiten geknüpft wurden. War es in den 90er bei Netzpublikationen noch ein MUß, Bandbreite gering zu halten, haben hohe Bandbreiten mit Flatrate zum intensiven Gebrauch von Flash, Downloads und Streaming ebenso wie zu Datenintensiven Websites geradezu eingeladen. Videos streamen heute in Werbebannern, meine tägliche Tagesschau guck App zieht Daten durch die Leitung, da ich mich an die vorgegebenen Zeiten nunmal nicht halten will, und hin und wieder mal ein Klassiker via YT, gerne in HD tut auch ganz gut… die Mediatheken der TV-Sender rufe ich über meinen Sat Receiver praktisch täglich ab, mal ein Märchenfilm für die Kinder oder eine Serie die ich verpasst habe. Mein Fernseher hängt ebenso am Netz, und da streame ich gerne mal Musikvideos oder Onlineradio im Hintergrund.

Ohne irgendeinen illegalen Download, Filesharing oder ähnliches komme ich so ohne weiteres an einem heiteren Wochenendtag mal eben auf 30GB, 10GB an einem Tag sind garkein Problem, 2GB am Tag eigentlich untere Grenze wenn man ein bisschen auf YT rumeiert etc.

Das ist aber nur die Nutzerseite.

Auf der anderen Seite stehen die Anbieter. Anbieter, die Angebote auf Basis der bestehenden Infra- und Kostenstruktur basiert aufgebaut haben. Anbieter, die davon ausgehen, dass ein großteil der Kunden in Sachen des Volumens keine Zusatzkosten haben, weil sie Flatratekunden sind. Denen wird nun mit Leichtigkeit ein Teil ihrer Existenzgrundlage geraubt….

Ein ganzes kleines Wirtschaftssystem wird mal eben beschränkt…. und gleichzeitig eigene Dienste, Videoload und Co, weiter kostenfrei gehalten. Eine reelle Konkurrenz zwischen dem relativ schwach aufgestellten „Entertain“ der T-Com und anderen Anbietern wie Lovefilm, Watchever oder Maxdome… Pustekuchen dann. Netzneutralität ade.

Also für mich riecht das nach dem Konzept der Drogendealer… Bisschen Gratispröbchen rumreichen… Und wenn alle sich so ans www in Flatrate gewöhnt haben, dass sie kaum mehr ohne können und genug bandbreitenintensive Dienste Kunden kobern, zockt man ab… Das am besten früh genug, so dass im ersten Moment 99% denken dürfen „betrifft mich ja nicht„, weil sie die nächsten 5 Jahre nicht überblicken….

Technisch wäre es auch kein Problem, dynamische Bandbreiten zur Verfügung zu stellen, die bei hoher Netzauslastung gleichmässig nach Bedarf Bandbreite reduzieren (wird heute schon teilweise so gemacht und funktioniert reibungslos).

Hier geht es aber ausschliesslich darum, dem Kunden das Messer auf die Brust zu setzen und zu sagen „zahlen oder schleichen“. Das ist unnötig und hat kaum Nutzen von der technischen Seite aus.

Hinzu kommt, dass der Anteil bandbreitenintensiver Dienste quasi täglich steigt und sich praktisch vollständig der Kontrolle entzieht. Ich kann ohne weiteres eine Webseite so aufbauen, dass während man einen Beitrag liest, im Hintergrund 500MB Bilder geladen werden, die ich so skaliere, dass man sie nicht sieht… Du merkst davon nix, außer, dass Dein Bandbreitenlimit im 0 Komma Nix weg ist…

Ich gehe mal davon aus, dass 90% derer, die heute sagen „75GB ist doch so viel, das reicht immer“ in 5 Jahren merken, dass es das eben nicht tut. Vor 15 Jahren war auch eine 50GB Festplatte noch fast unvorstellbar 🙂

Ich persönlich möchte jedenfalls einem Konzern, der seinen Service in solcher Manier verschlechtert, kein Geld in den Rachen werfen. Zurückspulen kann man das nur durch massives Abwandern unter Nennung des Grundes oder durch permanentes Nerven. Dabei reicht es sogar, zu einem anderen Anbieter mit gleicher Regelung zu wechseln, da die T-Com im Markt nunmal den Ton angibt (und Vfon ein bisschen). Wenn der T-Com nur genug Leute weglaufen oder damit drohen, dann sollte das noch korrigierbar sein.

Update 1: Ergänzend sei noch auf die zunehmende Wichtigkeit der Cloud hingewiesen. Auch wenn ich für mich das auf ein Minimum reduziere, so gibt es doch genug Leute, die ihre Datenbestände zu einem guten Teil in Cloudspeichern auslagern oder schon ausgelagert haben. Filme oder Musik, die man auf verschiedenen Ausgabegeräten mobil oder zu Hause abruft, Spiele, Anwendungen, Fotos. 75GB sind da schnell auch mal an wenigen Tagen voll.

Update 2: Einige kleine Beispiele, was Traffic verursacht und wieviel:
(alles ca. Werte)

Streaming in SD Qualität: 800MB / Std.

Streaming in HD Qualität: 5GB / Std.

Streaming in 240p (mobil): 600MB / Std.

Skype, Video, Vollduplex: 600MB / Std.

Webradio: 60MB / Std.

Cloud Computing: Hier ist eine Aussage schwierig, interessant aber folgende Daten:

In Europa, dem Mittleren Osten und Afrika wird erwartet, dass von 2011 bis 2016 der jährliche Cloud-Traffic um das Neunfache zulegen wird, von derzeit ca. 20 auf dann fast 200 Exabyte im Jahr 2016. Jährlich werden ca. 55% Zuwachs erwartet. (Quelle Winfuture.de)

Eine Entwicklung, die wohl unter Volumentarifen zu leiden hätte. Ein eigener Cloudspeicher kann schnell mehrere oder mehrere Dutzend GB groß werden. Ein Backup und das Limit ist erreicht? Ein weiterer Kniff, um mit eigenen Kontingentfreien Lösungen den Wettbewerb zu verzerren nehme ich an.

Update 3: Weitere Beispiele aus g+ Posts

von Michael Slomma:

Betriebssystem: bei Apple nur noch online zu beziehen (4 GB)
Office 2011: nur Online zu beziehen (2,5GB)
Dropbox wieder syncen (15GB) (z.B. Fotos)
Musikbibliothek iCloud (120GB)
Steam-Spiele wieder installieren (locker 30GB)
WoW: Mac-Client gibts nur im Download (20 GB + ca. 5GB Patches)
Diablo 3 – auch nur als Download (10GB + Patches)

Update 4: Kam mir noch garnicht in den Sinn:

Stichwort Chromebook:

Kleines Schleppi, Chrome OS drauf und keine eigene Festplatte dafür 100GB Cloudspeicher…

Viel Spass mit einem Volumentarif…. grmpf

So wird Innovation erstickt…

(gut, dass ich der Cloud eh kritisch gegenüberstehe)

Update 5:

Die Presse steigt ein, da zitier ich auch mal LSR-Content…

Chip beschreibt das Datenaufkommen und beantwortet Fragen zu späteren Tarifwechseln etc.
(Nicht verlinkt wegen LSR)

N-TV titelzeilt „Telekom verkauft Kunden für blöd – und sucht sich das Thema Netzneutralität als berechtigten Aufhänger.

Die Zeit stürzt sich in eine Betrachtung zum Thema Datenvolumen und „wieviel sind eigentlich 75GB und was sind sie in 3 Jahren (Stichwort z.B. 4k) noch wert?

Die Presse steigt ein!!! Jetzt heisst es laut bleiben und weitermachen, das Thema nicht einschlafen lassen und die Telekom mit Nachdruck wissen lassen, dass sie hier ein gesellschaftliches Politikum anfasst, das ihre Vormachtstellung im Markt bedeuten kann. Mittlerweile laufen erste Petitionen an und Kanäle, seinen Unmut direkt oder indirekt kundzutun, gibt es genug!

Update 6: Eine weitere Petition öffnet die Pforten.

https://www.change.org/de/Petitionen/deutsche-telekom-ag-drosselung-der-surfgeschwindigkeit-stoppen#share

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