Was kann ich denn schon tun?!?

Zeichnung-1Resignation, Aufgabe, Kopfschütteln, stille Empörung, Unglaube, Verdrängen, Amüsement, Galgenhumor, Hilflosigkeit.

Angesprochen auf die Nachrichten der letzten Wochen zeigen die Leute eine Fülle an Reaktionen. Was – nach einigen Wochen der Enthüllungen – zunehmend fehlt, ist Empörung.

Laute, nachhaltige, wiederhallende Empörung.

Was soll der Bürger in Deutschland denn schon gegen den Verlust der Privatsphäre tun?

Das ist der Tenor. Hilflosigkeit. Angesichts der indifferenten, inkonsequenten, farcenhaften Reaktionen unserer Politik um so mehr.

Auch von unserer Politik würde ich mir an dieser Stelle mal Empörung wünschen, Emotionen an Stelle sachlich distanzierter Phrasendrescherei.

Die Deutsche Sachlichkeit KOTZT MICH AN!

Nun soll natürlich keinem der Krieg erklärt werden, wem auch, sind doch irgendwie am Ende alle beteiligt. Aber es kann ebensowenig sein, dass wir tatenlos zuschauen, wie unseren Rechten und den Rechten des größten Teils der Weltbevölkerung, nunmehr öffentlich, die Fresse poliert wird. Ist das der Anspruch mit dem wir aus einer der grausamsten Diktaturen der Weltgeschichte hervorgegangen sind? Ist das der Anspruch mit dem wir für Menschenrechte und Freiheit und Demokratie einstehen? DAS will ich nicht.

Welchen Einfluss haben wir?

Ja, unser Einfluss ist begrenzt. Klein. Keiner von uns wird den Entscheidungsträgern auf den Schreibtisch steigen und sie zurechtweisen können, so gern er auch wollte. Keiner von uns wird nah genug an politische oder wirtschaftliche Entscheidungsträger herankommen, um ihnen seine offene Empörung entgegenzuschleudern in einem flammenden Blitz verzweifelter Wut. Keiner von uns wird die Entscheidungen rückgängig machen können, die für uns und in unserem Namen und mit unserem Geld gegen uns getroffen wurden.

Dennoch können wir das bisschen Einfluss, das wir haben, nutzen! Dieses Land ist noch immer einer demokratischen Grundordnung untergeordnet. Es gibt Spielregeln, und wir sind die Spieler.

Der Politik werden wir dabei wohl kaum beikommen, sollten aber nichtsdestotrotz unsere Möglichkeiten wahrnehmen, und wenn es nur als Störwähler ist. Alles weitere müssten dann aber schon die großen Player der Wirtschaft tun, dass die Politik denen hörig ist, hat sie zur genüge oft bewiesen. DAS ist der Gestaltungsspielraum, den wir haben. DAS ist unser Einfluss. Wir können nur in unserem eigenen Vorgarten aufräumen.

Also: verabschiedet Euch von diffuser Empörung gegen Staaten oder Personen. Wir haben es mit einem Geflecht zu tun, das sehr viel vielschichtiger ist. Es gibt wenige Stellen, an die sich unsere Empörung zu richten hat. Unsere eigene Regierung ist eine davon, denn es wäre ihr verdammter Job, dieses Land zu einem souveränen Staat zu machen und die Bevölkerung dieses Landes zumindest in Grundzügen zu schützen.

Daran können WIR etwas ändern. Es wird vielleicht dauern und es braucht ein bisschen Überzeugungsarbeit. Nicht nur selber wählen, sondern auch wirken. Kein Wahlkampf, kein treiben hin zu einer Partei. Einzig das Überzeugen, die etablierten nicht zu wählen, sondern seine Stimme den kleineren zu geben. Nicht den Extremisten bitte, es gibt genug kleine, die es wert sind, eine Stimme mehr zu kriegen.

Die Chance, Politik zu verändern, liegt nicht in den etablierten Parteien. Wenn sich etwas ändern soll, dann müssen NEUE eine Chance kriegen, dann braucht es frisches Blut, dann braucht es Emotion und den Willen, etwas zu ändern.

Die andere Seite liegt bei den Unternehmen. Entzieht den Mitspielern der Entwicklungen, die Euch nicht gefallen, Eure Gunst. Es mutet schon skurril an, wenn sich ausgerechnet auf den Plattformen der Firmen, die bekanntermaßen an der Totaltransparenz ihrer Nutzer arbeiten, welche bewusst und wissentlich datamining betreiben, Datensammlungen anstellen, Schattenprofile bilden, wenn ausgerechnet auf diesen Plattformen sich echauffiert wird über den Verlust der Privatsphäre und wir gleichzeitig meinen, mit ein wenig Geschick diese so nutzen zu können, dass es nicht schädlich ist. Glaubt mir: So schlau sind wir nicht.

In diesem Sinne… wir können nicht viel tun, und das, was wir tun können, hat oft genug nur Symbolcharakter und ist damit verbunden, ein Stück weit Komfort fahren zu lassen. Aber was, wenn nicht das, können wir tun? Das bisschen, was geht, sollten wir jedenfalls nutzen.

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