Ein Abschied – Mein womöglich letzter Post….

…. zumindest, wenn es um Politik und Gesellschaft geht.

Vor zwei Jahren bin ich zu google+ gestoßen. Angeheizt von der Aufbruchsstimmung dieses jungen Mediums und dieses ersten Social Networks, dass tatsächlich wie es aussieht auf Inhalt und Diskussion des Tagesgeschehens setzte, hab ich mich in eben diese Inhalte und Diskussionen gestürzt. Ein tolles Hobby. Andere lösen Kreuzworträtsel oder zocken Videospiele, ich persönlich, das wissen die, die mich kennen, liebe es, mich in Diskussionen zu begeben, die Gedanken kreisen zu lassen, Dinge aus ungewöhnlichen Richtungen zu beäugen.

Ein Beispiel meiner Herangehensweise ist einer meiner Blogposts (bitte dem Link folgen):

Was unsere führenden Köpfe wohl umtreibt, beim Zurückhalten unliebsamer Studien, die E-Zigaretten als ungefährlich zu zeigen die Frechheit haben, während gleichzeitig ein “die Unbedenklichkeit kann nicht 100%ig ausgeschlossen werden” zu einer ernstzunehmenden Warnung und Lebensgefahr verschwurbelt wird….?!?
http://www.ramoth.de/735/nachrichten-auf-links-gedreht/

Auch interessant war stets das finden seltsamer Formulierungen aus prominenten Mündern und deren Interpretation, wenn zum Beispiel Merkel von Neuland spricht oder andere zu S21 oder anderen Polizeilichen Radikalmaßnahmen sagten „Solche Bilder wollen wir nicht sehen“… was bedeutet das? Stört da die Situation, oder doch eher die Tatsache, dass jemand mit der Veröffentlichung der Bilder nervt?

Worauf ich eigentlich hinaus will: Politsprech hat mittlerweile in vielen Teilen große Ähnlichkeit mit Neusprech. Ausgelegt darauf, positiv missverstanden zu werden, ist es leicht, in die Fänge dieser Argumentationssimulationen zu geraten und sie für schlüssig zu halten. Bleibt wach wenn ihr Euch sowas anhört und lest und wendet die Formulierungen ruhig auch mal auf links und im Kreis, was wohl noch gemeint sein könnte.
http://www.ramoth.de/1627/solche-nachrichten-wollen-wir-nicht-horen/

Ich habe mich mit den Themen, den Säuen, die gerade so durchs virtuelle Dorf getrieben wurden, teils am Rande, teils intensiv beschäftigt. Ich habe teils ernsthafte Beiträge dazu hier geschrieben, teils satirische Verwurstungen. In jedem Fall habe ich versucht, mich, so gut es denn eben ging, gedanklich damit auseinanderzusetzen. Es hat Spaß gemacht, das zu tun.

Im Laufe des letzten Jahres kamen auch mehr und mehr Leser hinzu, so dass sich der Blog mittlerweile durch die Bank an Besucherzahlen von 100+ täglich erfreut, an guten Tagen auch mal entschieden mehr. Das freut und spornt an, ja, es verleitet sogar zu dem Eindruck, etwas, wenn auch im kleinen, auslösen zu können. Naja, ich glaube, das ist ein bisschen ein Trugschluss, denn am Ende muss man feststellen, dass dann doch 99% der Besucher hier nichts neues lesen, sondern am Ende nur die Bestätigung ihrer eh schon vorhandenen Meinung in womöglich anderen Worten vorfinden. Bewegen? Naja, es ist eher wie ein Hund, der seinen eigenen Schwanz jagt… macht Spaß, bringt aber nicht voran.

Ich habe das in einem anderen Blogpost verschrieben,

Anstatt nachhaltig für eine positiv ausgerichtete, praxisorientierte und akzeptable Netzpolitik einzutreten und Aktivitäten zu konzertieren und abzustimmen, ergeht man sich in epileptischen Zuckungen eines täglichen sich neu Ausrichtens um dem Zeitgeist nur ja nicht hinterherzuhinken und überfüttert dabei wiederum den vorbeieilenden Leser, der kaum noch ein Thema fokussieren kann, ehe nicht ein neues Thema mit Blitz und Donner um seine Aufmerksamkeit ringt.
http://www.ramoth.de/954/netzpolitik-und-die-netzgemeinschaft-im-gemeinschaftsnetz/

Was nutzt eine Netzgemeinde, die mehr um sich selber kreist als sich darum zu bemühen, die eigenen Themen auch in der Breite der Gesellschaft ankommen zu lassen? Was hilft es, sich gegenseitig aufzustacheln, ohne dabei relevant die Menge derer, die erreicht werden, zu erhöhen? Wir wähnen uns in der Mitte der Gesellschaft, doch tatsächlich sehen auch wir nur einen Ausschnitt, unseren eigenen Ausschnitt, bekommen Bestätigung aus diesem, unserem Ausschnitt des Seins und wähnen uns noch mehr in der Mitte der Gesellschaft.

Nun, spätestens die Neuland-Äußerung von Merkel belehrt uns eines besseren. Ebenso die massiven Attacken denen sich das Netz momentan ausgesetzt sieht. Freier Zugang der Behörden zu nahezu allem, was wir hier so tun… wir sitzen in einem Glaskäfig und werden von außen begafft…. und dabei wähnen wir uns, wie der Tiger im gut gemachten Zoo, in jenem der Natur nachempfundenen Gehege, in Freiheit…. und wenn wir mal an die Glaswand stoßen…. dann schütteln wir uns kurz und marschieren weiter brav im Kreis.

Nun haben speziell die letzten Wochen und Monate zu einer Klimax geführt, die beunruhigend und zunehmend surreal wirkt. Angriffe auf die Netzneutralität machten den Anfang, der zunehmende Zugriff unseres Staates auf unsere Onlinedaten schlägt mit zu Buche und zu guter Letzt die Offenbarung die Ed Snowden uns allen zuteil haben lässt. Wie soll man darauf noch reagieren?

Faktisch muss man aus heutiger Sicht sagen, dass wohl so ziemlich alles, was noch vor ein paar Wochen als Verschwörungstheorie verlacht worden wäre, plötzlich eine gewisse Legitimation hat… Anfang Mai, vor Snowdens Enthüllungen schrieb ich diesen Post:

Der Staat, wohlwissend um diesen Schatz an Informationen, natürlich sicherheitsrelevanten Informationen, denn was könnte sicherheitsrelevanter sein als die Frage, wie viele Stunden ich wöchentlich Fernsehe, im Netz unterwegs bin und was ich so gut oder schlecht finde, wird sich diese Informationen umfassend nutzbar machen. Die USA machen es heute schon vor, die anderen werden folgen. In der westlichen Welt aber heisst das nicht Überwachung oder Unterdrückung sondern Sicherheit und Service.
http://www.ramoth.de/1442/2034-schone-neue-welt-ein-ausblick/

Heute, nachdem tatsächlich offenbart ist, dass wir doch schon viel mehr Sicherheit und Service haben, als irgendwer wohl haben können will, nachdem wir mit einer absolut inadäquaten Reaktion unserer Politik mit diesen Umständen konfrontiert sind, die teilweise an Unprofessionalität kaum zu überbieten ist und ihrerseits offenbart, wie sehr wir Bürger ihr am Allerwertesten vorbeigehen, muss ich dann wieder einmal sehen, dass noch immer weit mehr als 80% der Befragten in der Sonntagsfrage auf die althergebrachten 4-5 Parteien setzen und damit ein klares „Weiter So!“ aussprechen.

Immer wieder ist die Rede davon, das kleinste Übel zu wählen während die, die mittlerweile zu frustriert sind, sich dem demokratischen Prozess ganz entziehen durch nicht-wählen oder aber ihn korrumpieren durch ungültig wählen. Auch dazu hab ich was geschrieben:

Als Störwähler habe ich mich damit abgefunden, dass die regierungsrelevanten Parteien unseres schönen Vaterlandes sich in Grundsatzfragen mittlerweile derart gleich sind, dass jedes Wahlergebnis welches zu einer Konstellation aus CDUSPDGRÜNENFDP führt, letztlich für mich als Bürger kaum eine Änderung bedeutet.
http://www.ramoth.de/740/storwahler/

Frappierend auch für mich persönlich: Der meistgeteilte, geplusste und gelikete Post, den ich hier je abgesondert habe, ist ein Post voll von absolutem Nonsens, während das, was ich für relevant hielt, hier oft genug versauerte, wenn es nicht gerade irgendeinen tagesaktuellen Nerv traf…. nunja.

In den letzten Tagen nun, und damit schaffe ich den Bogen zurück zu meinem ersten Blogpostzitat ganz oben, wurden die Ergebnisse der ENVI-Komission zum Thema E-Zigarette bekannt. Das betrifft erstmal mich und andere Dampfer, aber auch alle anderen, wenn man die Art und Weise und die daraus gewonnenen Erkenntnisse nimmt… Da soll also nun etwas, das definitiv keinerlei medizinisch heilende Wirkung hat, als Arzneimittel deklariert und faktisch aus dem Handel genommen werden. Etwas, das mit Tabak nichts zu tun hat, der Tabakrichtlinie unterworfen werden. Die Interessen, die da mitschwingen sind einfach so offensichtlich, dass es mir körperliche Bauchschmerzen macht. Ich will jetzt die E-Zigarette nicht zum Auslöser für den Verfall der Demokratie erheben, aber für mich persönlich ist diese Entwicklung das erste selbst und direkt spürbare Symptom einer Entwicklung, die davon kündet, dass hier keine Volksvertreter mehr am Werk sind, sondern ganz, ganz andere Interessen… wir sind offensichtlich Schlachtvieh, das auch, wenn es um unsere Gesundheit geht, mit Freuden geopfert wird, wenn die Interessen bestimmter Gruppen geschützt werden sollen….

Ich weiß darum, mit welcher Aktivität in den Netzen und auch im Leben away from keyboard hier aus der Dampfergemeinde heraus agiert wurde. Ich weiß, dass Leute Geld in die Hand genommen haben, um Studien anzuleiern, um nach Brüssel zu reisen und vorzusprechen. Leute aus den Händlerverbänden ebenso wie Verbraucher. Es wurde geschrieben, geredet, aufgeklärt. Es gab Petitionen, offene Briefe. Das volle Programm.

Was daraus von den Lobbyverbänden scheinbar gemacht wurde, war eine Nebelkerze. Verbraucher und andere Fürsprecher seien von der bösen E-Zig-Lobby geheuerte Hetzer, die Dampfergemeinde (immerhin ca. 2 Mio. allein in Deutschland) sei eigentlich sehr klein, das würde alles künstlich aufgeblasen. Was als Entwurf der Envi dabei rauskam, aller vorherigen Beschwichtigungen zum trotz… schlimmer als jede Ankündigung. Quasi ein Berufsverbot für die Pioniere dieses neu entstandenen Marktes und eine Stigmatisierung der Verbraucher, die nun offensichtlich alle krank sind…

Nun ist es in der Sache erstmal gesamtgesellschaftlich völlig irrelevant, ob und wie nun E-Zigaretten oder Liquids verkauft werden. Relevant aber ist, wie hier reguliert wird. Am Menschen vorbei, auf Kosten der Gesundheit, wider jeglicher für mich nachvollziehbarer Vernunft und auch entgegen den vorher getätigten Ankündigungen. Das ist in meinen Augen blanker Beschiss, Protektionismus der großen gegen die kleinen. Ohnmacht und Wut bleiben.

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Und Ohnmacht ist auch das Stichwort. Ich hasse es, etwas zu tun, wenn dabei das Gefühl vorherrscht, nichts erreichen zu können. Die hier beschrittenen Wege scheinen, zumindest im Moment, ungeeignet, etwas zu bewegen. Ganz im Gegenteil verbrennen sie Energie, die anders besser eingesetzt wäre. Das zumindest ist im Moment mein Eindruck. Das macht mir Kopfschmerzen.

Was wir zu sagen haben, dreht sich im Kreis. Was wir zu sagen haben, erreicht nicht die, die es hören müssten. Es entwickelt sich eine Kultur der Bevormundung und Gängelung. Es findet sich immer jemand, der meint, er weiß besser, was gut für Dich ist, als Du selbst. Und oft genug sitzt dieser Jemand am längeren Hebel.

Sich damit permanent auseinanderzusetzen, gerade als jemand wie ich, dessen Geist dann auch permanent auf der Suche nach Lösungen um die gestellten Probleme kreist, raubt auf Dauer Lebensfreude und Lebensqualität. Und aus eben diesem Grunde nehme ich ihn nun, und hänge ihn an den Nagel… meinen Hut…. da hängt er.

Ich werde mich nun wohl mehr dem Satirischen widmen, womöglich wieder mehr fotografieren. Katzenbilder sollen ja sehr gut ankommen. Vielleicht widme ich meine Zeit auch wieder dem guten Herrn Schlommko oder trete ein neues Schriftwerk ausgehend von den Erfahrungen mit dieser Schreibübung los. Ihr werdet hier auf jeden Fall weiterhin Lesestoff finden, aber das Niveau und die Themen werden sich etwas verschieben.

In diesem Sinne verabschiede ich mich von der ernsthaften Seite der Politik und betrachte das gesellschaftspolitische Tagesgeschehen fortan nur noch als die Satire, die sie eigentlich ist, zu der sie eigentlich verkommen ist. Ganz im Sinne einer wohlwollenden Misanthropie, was mich zu meinem letzten Post-Zitat bringt und schließen lässt:

Der Mensch vereint sich in Gruppen, um dem Gleichmut zu frönen, das Denken einzustellen und die Gestaltung des Seins den eigenen Händen nicht zumuten zu müssen.

Ein schwaches Wesen ist er, stets gewillt zu jammern und doch immer suchend nach dem, dem es schlechter geht, um sich über den armen Tropf zu erheben und das eigene Wohlbefinden zu stärken.

Seine Stärke glaubt er, liegt in der Anpassung, liegt darin, Tolerant zu sein, das Maß seiner Toleranz reicht gar aus, im Zweifel bis unter die Nase in Scheisse zu schwimmen und sich immer noch zu erfreuen an dem, dem die Scheisse schon bis zu den Augen steht.

Menschen… Lieber die Sicherheit des Untergangs als das Risiko der Veränderung….
http://www.ramoth.de/1591/misanthropie/

In diesem Sinne…. Gute Nacht…

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